Ein Mann mit orangener Warnweste und Bauhelm steht vor einem ICE auf einem Gleis.
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Boxenstopp für Züge: Dortmunds digitales Depot wächst

9. Juli 2026

Siemens Mobility erweitert sein Rail Service Center in Dortmund-Eving um eine neue Werkstatthalle und investiert rund 150 Millionen Euro. Mit KI-gestützter Zustandsüberwachung und 3D-Druckverfahren gehört das Depot zu den modernsten Zugwerkstätten Europas – ein Blick hinter die Kulissen.

Im Dezember 2018 rollten die ersten Züge in die Instandhaltungshalle in Dortmund-Eving. Damals war das Rail Service Center von Siemens Mobility vor allem für eines konzipiert: die Wartung der über 80 RRX-Züge im Rhein-Ruhr-Express-Netz. Inzwischen hat sich der Standort weit darüber hinaus entwickelt – Lokomotiven, Hochgeschwindigkeitszüge und weitere Regionalverkehrsfahrzeuge werden hier gewartet und instandgehalten. Ende Mai feierte das Unternehmen gemeinsam mit Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal das Richtfest einer neuen 12.300 Quadratmeter großen Werkstatthalle. Die voll digitalisierte Instandhaltung, die Fertigung von Bauteilen mithilfe von 3D-Druck und der Anspruch auf nahezu 100 Prozent Flottenverfügbarkeit machen den Standort zu einem Vorreiter in der Bahnindustrie.

22 Fußballfelder für die Zugwartung

Mit der geplanten Erweiterung um insgesamt rund 88.000 Quadratmeter wächst das Rail Service Center Dortmund künftig auf eine Gesamtfläche von mehr als 157.000 Quadratmetern. Das entspricht rund 22 Fußballfeldern. Die neue Werkstatthalle, deren Rohbau bereits steht, soll ab Sommer 2026 zusätzliche Kapazitäten bieten, um der steigenden Nachfrage nach Servicedienstleistungen gerecht zu werden. „Mit diesem Ausbau bedienen wir künftig nicht nur mehr Fahrzeugtypen und Kunden, sondern schaffen auch bis zu 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region und stärken unser Servicenetzwerk in Europa", sagt Elmar Zeiler, CEO Customer Service bei Siemens Mobility.

Die neuen Stellen entstehen in den Bereichen Fahrzeuginstandhaltung, Engineering, digitalisierte Diagnostik, Flottenmanagement und begleitender Bahnbetrieb. Rund 180 Mitarbeitende mit 14 Nationalitäten arbeiten bereits am Standort. Das Team wächst also erheblich. Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal ordnet die Investition folgendermaßen ein: „Das Rail Service Center ist ein digitales Datenhaus mit einer hochmodernen Werkstatthalle. Dieser Ansatz steht für die richtige Mischung aus Arbeit, Technologie und Digitalisierung. Das ist typisch für die Dortmunder DNA.“

In der mobiliSTORY: Mit Hightech und 3D-Druck

In unserer aktuellen mobiliSTORY nehmen wir Sie mit ins Rail Service Center Dortmund von Siemens Mobility und begleiten Igor Ullrich und Sabrina Mönkemeyer an einem typischen Werkstatt-Tag – schauen Sie rein!

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Boxenstopp statt Reparatur: Das Prinzip vorausschauende Wartung

Der Vergleich mit der Formel 1 ist im Rail Service Center Dortmund kein Zufall. Standortleiter Igor Ullrich beschreibt die Ähnlichkeit so: Auch hier würden Systeme kontinuierlich überwacht und kontrolliert. Wenn ein Zug in die Halle rolle, sei das ein Boxenstopp mit dem Ziel, das Fahrzeug in kürzester Zeit fertigzustellen und wieder dem Betrieb zu übergeben. 

Herzstück dieses Ansatzes ist die voll digitalisierte Steuerung sämtlicher Instandhaltungsprozesse. Im Fahrbetrieb liefern die Züge kontinuierlich Daten über ihren Zustand. KI-gestützte Systeme analysieren diese Daten und erkennen Wartungsbedarf, bevor es zu einem Ausfall kommt. Die Instandhaltungsteams erhalten ihre Arbeitsaufträge und alle notwendigen Informationen direkt auf ihre Tablets.

Das Ergebnis: weniger ungeplante Ausfälle, unnötige Depotstopps und überflüssiger Komponentenaustausch. Die Flottenverfügbarkeit des RRX soll möglichst bei 100 Prozent liegen. Ein Versprechen, das die Fahrgäste in NRW im Alltag spüren sollen. Zur Infrastruktur des Depots gehören unter anderem eine Außenreinigungsanlage, eine Unterflurdrehbank sowie hochflexible Instandhaltungsgleise mit Gleisbrücken, schwenkbarer Oberleitung und ausfahrbaren Dacharbeitsbühnen.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Ein konkretes Beispiel für den technischen Fortschritt am Standort ist die sogenannte additive Fertigung: Sabrina Mönkemeyer, Expertin für 3D-Druck im Rail Service Center, baut diesen Bereich seit 2025 systematisch aus. Bei dem Verfahren werden Bauteile schichtweise in einem 3D-Drucker aufgebaut – direkt vor Ort, ohne Lieferengpässe und ohne lange Wartezeiten.

Hergestellt werden sowohl Hilfsmittel für die Werkstatt als auch Teile, die direkt im Zug verbaut werden: WC-Rollenführungen, Fußtaster, Abdeckungen für Steckdosen. Mönkemeyer betont vor allem die Geschwindigkeit und die Unabhängigkeit des Verfahrens: Wenn morgens ein bestimmtes Teil benötigt werde, könne sie es mittags bereits überreichen – ohne Lieferwege, ohne lange Wartezeiten.

Neben der Geschwindigkeit bietet das Verfahren weitere Vorteile: Prototypen entstehen in kürzester Zeit am Rechner, komplexe Bauteile werden leichter und nachhaltiger herstellbar und externe Lieferketten werden eingespart. Was als ergänzendes Werkzeug begonnen hat, entwickelt sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil der modernen Zugwartung.

Hochmoderne Infrastruktur für den Schienenverkehr in NRW

Das Rail Service Center Dortmund ist nicht ausschließlich für die RRX-Flotte da. Mit der Erweiterung können künftig noch mehr Züge anderer Flotten gewartet werden. Die hochmoderne Infrastruktur steht Verkehrsunternehmen offen, die eine zuverlässige und effiziente Wartung für Züge alter und neuer Generation benötigen.

Für die Metropolregion Rhein-Ruhr bedeutet das: mehr Kapazität für die Instandhaltung der Züge, auf die Pendlerinnen und Pendler täglich angewiesen sind. Und für den Standort Dortmund bedeutet es hochqualifizierte Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten und ein wachsendes Kompetenzzentrum für digitale Bahntechnologie. Ullrich selbst fährt nach eigener Aussage jeden Tag mit dem RRX nach Hause und zwar pünktlich, mit funktionierender Toilette und Klimaanlage. Besonders stolz mache ihn dabei, dass hinter alldem die gemeinsame Leistung seines gesamten Teams stehe.

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