
28. Mai 2026
Ob im Radverkehr, im ÖPNV oder in der Verkehrsplanung – die Mobilitätswende lebt nicht nur von politischen Beschlüssen und technischen Innovationen, sondern auch vom Engagement derjenigen, die sich vor Ort für bessere Bedingungen einsetzen. Ehrenamtlicher Einsatz in Vereinen, Verbänden und Initiativen schafft Aufmerksamkeit, bringt lokale Perspektiven in übergeordnete Debatten ein und sorgt dafür, dass Mobilitätsthemen auch dort ankommen, wo sie im Alltag tatsächlich wirken: auf dem Schulweg, an der Haltestelle, auf der Radstrecke zur Arbeit. Besonders junge Menschen bringen dabei neue Impulse mit und stehen gleichzeitig vor der Herausforderung, ihr Engagement mit Studium, Ausbildung oder Job zu vereinbaren.
Wie das gelingen kann und was Ehrenamt und Engagement im Mobilitätsbereich ganz konkret bewirken, darüber haben wir mit Jasmin Azari gesprochen. Sie ist Sprecherin des Jungen ADFC NRW und setzt sich für sicheren und gerechten Radverkehr in Nordrhein-Westfalen ein.
Jasmin, wie bist du zum ADFC gekommen – und warum ausgerechnet ein Engagement in der Mobilität?
Tatsächlich ist der ADFC fast mehr zu mir gekommen! Ich habe drei Jahre lang im AStA unserer Uni gearbeitet und weil ich so ziemlich alles mit dem Rad erledige und mir die Verkehrssituation in Bielefeld schon oft sauer aufgestoßen ist, kam mir die Idee, den ADFC für eine Kooperation anzufragen. Wir haben dann Studierende und Mitarbeitende zu den Fahrradwegen in Bielefeld befragt. Ab da war ich im Kontakt mit dem ADFC Bielefeld, der mich fragte, ob ich den Jungen ADFC unserer Stadt voranbringen möchte. Im November letzten Jahres habe ich dann an einem Treffen mit jungen Leuten aus ganz NRW teilgenommen. Der lebendige und optimistische Austausch hat mich so begeistert, dass ich dort aktiv geworden bin.

Ich bin Jasmin Azari, 26 Jahre alt. Seit November 2025 bin ich beim ADFC aktiv, seit Februar dieses Jahres als Sprecherin des Jungen ADFC NRW. Ich studiere Grundschullehramt mit integrierter Sonderpädagogik und arbeite parallel in einem Jugendzentrum. Darüber hinaus leite ich auf einem Hof Projekte zu Bildung für nachhaltige Entwicklung. Beim ADFC engagiere ich mich dafür, dass mehr junge Menschen für den Radverkehr und sichere Infrastruktur einstehen.
Was genau macht der Junge ADFC NRW und was unterscheidet ihn vom „klassischen" ADFC?
Was der Junge ADFC NRW genau macht, ist noch in der Findung. Ich denke, dass wir etwas aktivistischer werden und den Austausch mit Schulen mehr in den Fokus rücken. Gerade für junge Menschen kann ein Fahrrad ein großes Stück Freiheit bedeuten und ein verhältnismäßig bezahlbares Verkehrsmittel darstellen. Damit es genutzt werden kann, müssen aber die Gegebenheiten verbessert werden, sodass sich alle sicher im Radverkehr fühlen können; gerade auch bei Schulwegen oder Wegen zu Hobbys, Freundinnen und Freunden. Ich wünsche mir, dass wir vom Jungen ADFC viele Demos und Aktionen organisieren, die gute Laune machen und mehr junge Leute motivieren, sich aufs Rad zu schwingen.
Was sind deine Aufgaben und wie viel Zeit nimmt das Ehrenamt in Anspruch?
Die Aufgaben können sehr unterschiedlich aussehen. Ein wesentlicher Teil sind Besprechungen. Wir vom Vorsitz des Jungen ADFC NRW treffen uns alle zwei Wochen online, um Aktionen wie Demos zu planen, Anträge zu besprechen und Aufgaben aufzuteilen. Hin und wieder gibt es größere Sitzungen auf Landes- oder Bundesebene, sowohl mit anderen Gruppen des jungen ADFC als auch mit dem ADFC im Allgemeinen. Wie viel Zeit jeder und jede von uns reinsteckt, ist individuell und schwankt – je nachdem, was die Uni oder andere Faktoren gerade verlangen. Pro Woche sind es zwischen zwei und sechs Stunden, bei vielen Sitzungen können es auch mal zehn werden. Aber das ist die Ausnahme.
Engagiert neben Studium und Job – wie organisierst du das, und was braucht es von Vereinsseite, damit junge Leute langfristig dabei bleiben?
Meine Masterarbeit fühlt sich vermutlich manchmal etwas vernachlässigt. Der Junge ADFC ist auch nicht mein einziges Ehrenamt, was die Sache für meine Wochenplanung noch unterhaltsamer macht. Aber mir hilft, dass ich mir möglichst feste Zeiten für meine Ehrenämter festlege und mir bewusst bleibe, dass es ein Ehrenamt ist. Wenn mal jemand aus dem Vorsitz des jungen ADFC NRW merkt, dass gerade alles etwas viel ist, verteilen wir Aufgaben um. In einem so tollen Vorsitz wie unserem ist das möglich. Vom allgemeinen ADFC wünschen wir uns, dass er Verständnis aufbringt, wenn wir mal zu viel im Privatleben haben; zum Beispiel, wenn die nächste Klausurenphase an die Tür klopft.
Die Möglichkeiten, sich als (junger) Mensch ehrenamtlich für bessere Mobilität einzusetzen, sind vielfältig. Ob im Radverkehr, im ÖPNV, in der Verkehrssicherheit oder in der Barrierefreiheit: Wer Interesse an einem Ehrenamt im Mobilitätsbereich hat (oder auf der Suche nach Engagierten ist), ist bei der Engagement-Plattform für Nordrhein-Westfalen an der richtigen Adresse. Wie auch bei den lokalen Freiwilligenagenturen gibt es hier einen Überblick zu vielfältigen Engagementmöglichkeiten.
Für Engagierte und Ehrenamtliche bietet die Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement ein vielfältiges Angebot. Engagierte, Initiativen und Vereine finden hier Infos, Beratung und Weiterbildungen zu Fördermitteln, rechtlichen Fragestellungen und Themen der Vereinsentwicklung.
Ergänzend bietet die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ein Serviceangebote für Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler aus ganz Deutschland.
Gibt es ein Erlebnis aus deiner Zeit im Ehrenamt, das dir gezeigt hat: Das hier macht einen echten Unterschied?
Für mich beschreibt der Spruch „think global, act local“ mein Engagement sehr gut. Auch wenn vieles auf der Welt katastrophal läuft und ein Gefühl der Machtlosigkeit auslöst, ist es immer möglich, kleine tolle Veränderungen vor Ort zu schaffen. Es freut mich zu sehen, wenn Forderungen wie Verbesserungen in der Radinfrastruktur oder strengere Tempolimits auf Schulwegen umgesetzt werden. Meine Ehrenämter geben mir das Gefühl, dass es eben doch möglich ist, etwas zu tun. Gerade zusammen mit anderen Menschen finde ich das sehr empowernd.
Was würdest du anderen jungen Leuten raten, die sich engagieren möchten?
Überlegt, was euch bewegt und wo ihr einen Tatendrang spürt. Ihr könnt auch einfach mal in verschiedene Organisationen reinschnuppern und schauen, was euch anspricht und erfüllt. Vielleicht hilft es euch ja auch, das Weltgeschehen etwas besser zu verarbeiten, wenn ihr merkt, dass ihr vor Ort etwas bewegen könnt.
Wie kann man als junge Person niederschwellig beim Jungen ADFC einsteigen?
Kommt einfach rum! Es gibt immer mal tolle Treffen wie die Bundesjugendversammlung. Sprecht den Jungen ADFC auf Veranstaltungen wie Demos an und wenn ihr Lust habt, fragt direkt, ob ihr Aufgaben übernehmen oder etwas Eigenes starten könnt. Wir freuen uns immer über Ideen von verschiedenen Leuten. Manchmal gibt es auch offene Treffen – da kann es sinnvoll sein, auf Social Media zu schauen, was die Ortsgruppen so anbieten.
Wenn du einer Person, die noch nie ehrenamtlich aktiv war, einen einzigen Grund nennen müsstest, es bei einem Mobilitätsverband zu versuchen – welcher wäre das?
Verkehrspolitik hat viel mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Es ist toll, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, aktiv am Verkehr teilzunehmen. Da uns noch viele Hürden im Weg liegen und viele Menschen in unserer Infrastruktur teils ausgeschlossen werden, sei es durch zum Beispiel zu hohe Preise für den ÖPNV oder noch nicht barrierefreie Strukturen, brauchen wir deine Ideen, um uns für mehr Gerechtigkeit und Inklusion im Verkehr einzusetzen.
Zum Schluss: Was ist deine liebste Fahrradstrecke in NRW?
Ich liebe die Nordbahntrasse in Wuppertal, weil ich sie mit einigen sehr schönen Radtouren mit lieben Menschen verbinde. Grundsätzlich bin ich aber noch am Entdecken und freue mich über ganz verschiedene Wege mit viel Grün und möglichst wenigen Autos.
Ob bei der Bahnhofsmission, bei Rollatortrainings oder im Bürgerbusverein: Bürgerschaftliches Engagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Mobilität in NRW. Zahlreiche Menschen setzen sich tagtäglich dafür ein, das mobile Leben in unserem Land durch ihr Ehrenamt ein kleines Stückchen besser zu machen und voranzubringen. Welche spannenden Möglichkeiten gibt es, sich in der Mobilität ehrenamtlich zu engagieren? Wie fördert das Land ehrenamtliches Engagement? Und was gewinnt man selbst dadurch, ehrenamtlich aktiv zu sein? Darüber unterhalten sich die Gäste unserer aktuellen mobiliTALK-Podcastfolge: Falk Neutzer, Geschäftsführer der Verkehrswacht Kreis Kleve e. V., und Natalie Chirchietti, Geschäftsführerin Radeln ohne Alter e. V.

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