Viele Autos stehen auf einer Straße im Stau.
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Neue Mobilitätslösungen erfolgreich kommunizieren

19. Februar 2026

Mobilität prägt unseren Alltag. Jeder Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit ist Teil unserer täglichen Routinen. Wenn Kommunen oder Unternehmen versuchen, dieses Verhalten durch neue Mobilitätslösungen zu durchbrechen, müssen die Menschen von den Vorteilen manchmal regelrecht überzeugt werden. Hier kommt Akzeptanzkommunikation zum Einsatz.

Warum können manche Mobilitätsprojekte reibungslos umgesetzt werden, während andere trotz überzeugender Sachargumente auf Widerstand stoßen? Die Erfahrung zeigt: Technisch durchdachte Lösungen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, wie wir über Veränderungen sprechen und die Menschen, die sie betreffen, einbeziehen. Und genau hier kommt Akzeptanzkommunikation ins Spiel: Erfolgreiche Kommunikation macht den konkreten Nutzen von Maßnahmen erlebbar. Sie nimmt Bedenken der Bürgerinnen und Bürger ernst und bezieht sie frühzeitig ein.

Auftakt der Reihe: Akzeptanzkommunikation in der Mobilität

Wie lassen sich Mobilitätsmaßnahmen erfolgreich vermitteln und umsetzen? Diese Frage steht im Zentrum unserer Blogbeiträge zur Akzeptanzkommunikation. Im ersten Teil beleuchten wir heute die Grundlagen: Was bedeutet Akzeptanz eigentlich, und warum gibt es oft eine Lücke zwischen Zustimmung und tatsächlichem Handeln? Im folgenden Beitrag stellen wir die vier entscheidenden Einflussfaktoren für Akzeptanz vor und zeigen anhand konkreter Best-Practice-Beispiele aus NRW, wie diese in der Praxis erfolgreich umgesetzt wurden. Welches Handwerkszeug benötigt man, um Mobilitätprojekte nicht nur zu planen, sondern anschließend auch erfolgreich umzusetzen? Antworten gibt unser mobiliBLOG.

Der Schlüssel zum Verständnis: Zwei Dimensionen von Akzeptanz

Prof. Dr. Sophia Becker hält eine Keynote beim Mobilitätstag.NRW 2025.
Prof. Dr. Sophia Becker. © Simon Bierwald/INDEEDPhotography

Um wirksame Kommunikation zu gestalten, lohnt ein genauerer Blick auf das Konzept der Akzeptanz. Prof. Dr. Sophia Becker (TU Berlin) hat in ihrer Keynote zum Mobilitätstag.NRW 2025 zwischen zwei grundlegenden Dimensionen unterschieden:

Einstellungsakzeptanz 

Einstellungsakzeptanz meint die grundsätzliche Zustimmung zu einer Maßnahme. Sie wird in positiven Meinungsbildern und Umfragewerten sichtbar und ist vor der Einführung einer verkehrspolitischen Neuerung oft niedriger als danach. Solange ihnen unklar ist, was konkret auf sie zukommt und wie sich ihre Mobilität im Alltag ändern wird, reagieren Menschen häufig zunächst mit Bedenken und Skepsis. Erst wenn positive Effekte spür- und erlebbar werden, verschiebt sich auch die Einstellung in eine positive Richtung.

Eine hohe Einstellungsakzeptanz führt aber nicht automatisch zu veränderten Gewohnheiten. Ein typisches Beispiel: Viele Bürgerinnen und Bürger befürworten den Ausbau von Radinfrastruktur in ihrer Stadt. Im Alltag nutzen sie diese jedoch nicht, weil sie weiterhin gewohnheitsmäßig mit dem Auto unterwegs sind.

Verhaltensakzeptanz

Verhaltensakzeptanz geht noch einen Schritt weiter. Sie zeigt sich in tatsächlichen Verhaltensänderungen im Alltag. Hier entscheidet sich, ob Menschen neue Mobilitätsangebote wirklich annehmen und in ihre Routinen integrieren. Diese Form der Akzeptanz ist ausschlaggebend für den praktischen Erfolg von Mobilitätsprojekten.

Für nachhaltige Veränderungen braucht es beide Dimensionen: grundsätzliche Zustimmung und praktische Umsetzung im täglichen Leben. Gerade die Verhaltensakzeptanz wird dabei oft unterschätzt.

Von der Einstellung zum Verhalten: Zwei Beispiele aus der Praxis

Die Gurtpflicht: Verhaltensänderung durch klare Regulierung

Ein besonders eindrückliches Beispiel aus Prof. Dr. Beckers Keynote ist die Gurtanlegequote: Eingeführt wurde die Gurtpflicht in der damaligen BRD bzw. in Westdeutschland bereits 1976. Studien zeigen aber, dass sich die Menschen erst seit 1984 standardmäßig angeschnallt haben – die Quoten stiegen innerhalb kürzester Zeit von unter 60 auf über 90 Prozent. Was hat sich in diesem Jahr verändert? Es wurde ein Verwarngeld von 40 DM eingeführt – fällig, wenn jemand unangeschnallt im Auto sitzt. Übersetzt heißt das: Das Verhalten der Menschen hat sich erst dann geändert, als es spürbare Folgen für ein Fehlverhalten gab. Ein klarer Beleg dafür, dass Wissen und Einstellung allein oft nicht ausreichen, um Verhalten zu ändern.

Deutschlandticket: Eine Erfolgsgeschichte durch gelungene Akzeptanzkommunikation

Ein aktuelles Beispiel für den Weg von Einstellungs- zu Verhaltensakzeptanz ist das Deutschlandticket. Mit aktuell rund 14,6 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten hat es sich als eines der erfolgreichsten Mobilitätsangebote der letzten Jahre etabliert. Besonders bemerkenswert: Trotz der Preiserhöhung Anfang 2026 sind die Kündigungszahlen gering geblieben. Zurückzuführen ist das auf mehrere Faktoren: das leicht verständliche Preismodell, die breite Verfügbarkeit und die kontinuierliche und zielgruppengerechte Kommunikation der Vorteile. Die gezielte Kommunikation überzeugte: Wer die Vorteile des Tickets kennenlernte – bundesweite Flexibilität, deutliche Ersparnisse und einen Beitrag zum Umweltschutz – wurde vom Befürwortenden zum tatsächlich Nutzenden. 

Was dieses Beispiel zeigt: Mit der richtigen Kommunikationsstrategie kann die Lücke zwischen Einstellungs- und Verhaltensakzeptanz erfolgreich überbrückt werden. Menschen, die einmal den Vorteil erlebt haben, nutzen das Angebot auch bei veränderten Rahmenbedingungen weiterhin.

Akzeptanz von Mobilitätsmaßnahmen in NRW

Die Lücke zwischen Einstellung und Verhalten zeigt sich besonders deutlich beim Thema Pendeln. Die PendlerRatD-Studie der Hochschule Heilbronn aus dem Jahr 2022 untersuchte die Bereitschaft von Berufspendelnden, auf das Fahrrad umzusteigen. Ein zentrales Ergebnis: Viele Pendlerinnen und Pendler sind grundsätzlich offen für Alternativen zum Auto und befürworten nachhaltigere Mobilität. Im Alltag fahren sie jedoch weiterhin mit dem Pkw. Um ihr Verhalten tatsächlich zu ändern, wären laut Befragten bessere Rahmenbedingungen für das Pendeln mit dem Fahrrad erforderlich, beispielsweise, indem der Arbeitgeber JobRad-Leasing anbieten würde.

Das dies ein vielversprechender Ansatz ist, zeigt auch das Programm „clever mobil“ zum betrieblichen Mobilitätsmanagement in der Stadt und der Städteregion Aachen. Ziel ist es, teilnehmende Betriebe dabei zu unterstützen, ihren Mitarbeitenden zukunftsgerechte Mobilität zu ermöglichen. Das funktioniert unter anderem durch niedrigschwellige Angebote wie einen Testzeitraum für die goFLUX-App zur Organisation von jobbedingten Fahrgemeinschaften. So können die Mitarbeitenden direkte Erfahrungen sammeln, was die Akzeptanz und tatsächliche Verhaltensänderung hin zu klimafreundlicher Fortbewegung deutlich fördert.

Die Forschung von Prof. Dr. Sophia Becker

Prof. Dr. Sophia Becker leitet das Fachgebiet „Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden“ an der TU Berlin. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich damit, wie nachhaltige Mobilität gesellschaftlich gelingen kann. Ihr Fachgebiet untersucht, welche sozialen und technischen Faktoren die individuelle Verhaltensänderung fördern, und entwickelt daraus praktische Gestaltungsansätze für die Verkehrswende.

Beim Mobilitätstag.NRW 2025 gab sie in ihrer Keynote Denkanstöße dazu, wie Akzeptanz für nachhaltige Mobilität möglich wird.

Zur Aufzeichnung der Keynote

Fazit: Auf dem Weg zur Verhaltensakzeptanz

Die Beispiele zeigen deutlich: Zwischen dem Wissen und Befürworten einer Maßnahme und ihrer tatsächlichen Nutzung liegt oft eine erhebliche Lücke. Um diese zu schließen, braucht es mehr als gute Argumente und technische Lösungen. Es braucht eine strategische Kommunikation, die Akzeptanz systematisch aufbaut und Verhalten positiv beeinflusst.

Im 2. Teil der Blogreihe

Was sind die zentralen Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden? Diese Frage werden wir im zweiten Teil unserer Blogreihe beantworten. Dort stellen wir die vier Stellschrauben erfolgreicher Akzeptanzkommunikation vor – von der Regulierung über kulturelle Aspekte und Infrastruktur bis hin zur Prozessgestaltung. Bleiben Sie dran!

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