Ein Kontrolleur im Zug kontrolliert ein Deutschlandticket
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Tarif-Reformen im ÖPNV: Alles wird einfacher

25. Februar 2025

Der öffentliche Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen befindet sich in einem Umbruch. Die Branche hat sich nicht nur das Ziel gesetzt, ihre Angebote zu verschlanken und damit für mehr Übersicht zu sorgen, sondern gleichzeitig auch mehr Service zu schaffen. So startet am 1. März beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) der Tarif-Frühling, der die Angebote für Kundinnen und Kunden neu strukturiert. Auch an anderen Stellen, beispielsweise bei go.Rheinland oder bei der Rheinbahn, werden Maßnahmen erarbeitet, um den Zugang zum ÖPNV intuitiver und benutzerfreundlicher zu gestalten. Perspektivisch muss es gemeinsames Ziel der Branche sein, auch landesweit zu abgestimmten und kompatiblen Tarifen und Vertriebssystemen zu kommen – und damit die lokalen und regionalen Grenzen nicht mehr spürbar zu machen. Wir schauen beispielhaft auf aktuelle Ansätze.

Mit zwei Fragen zum passenden Ticket

Am 1. März 2025 startet der VRR als Vorreiter seine große Tarif-Reform. Mit weniger Tickets will der Verbund mehr Übersicht schaffen – und seine Kundinnen und Kunden sogar finanziell entlasten. 90 Prozent der Fahrgäste sollen in Zukunft mit dem richtigen Ticket günstiger unterwegs sein. Damit niemand nach dem richtigen Ticket suchen muss, gehört zur neuen Struktur auch ein Ticketfinder, der die Fahrgäste mit nur zwei Fragen zum individuell besten Tarif führt. 

 

Die Grundlage der Reformansätze bilden das Deutschlandticket und eezy.nrw: Gemeinsam erfüllen diese Angebote bereits zum größten Teil das Bedürfnis der Fahrgäste nach einfacher, flexibler Mobilität: Vielfahrerinnen und -fahrer treffen mit dem Deutschlandticket die richtige Wahl – es ist das preislich attraktivste Angebot für den bundesweiten ÖPNV. Die Planungssicherheit für das Deutschlandticket ist gewährleistet. Im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es dazu: „Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt. Dabei wird der Anteil der Nutzerfinanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht. Um Planungssicherheit für die Kunden beim Ticket, aber auch für Bund und Länder bei der Finanzierung zu gewährleisten, werden die Kosten für das Ticket nach einem festen Schlüssel aufgeteilt.“ Für alle, die gelegentlich mit Bus und Bahn fahren, bietet sich eezy.nrw als flexibler Tarif in ganz NRW an – einfach per App ein- und auschecken und die Bepreisung erfolgt auf Basis der Luftlinie. Mit dem Fokus auf diese beiden Angebote kann das übrige Ticketsortiment überarbeitet und konzentriert werden. Das Ziel: bessere Übersichtlichkeit und ein Angebot, das optimal auf die Bedürfnisse der Fahrgäste zugeschnitten ist. 

Weniger Preisstufen, mehr Übersicht

Zudem hat der VRR seine Preisstufen angepasst. Ab dem 1. März gibt es nur noch drei Preisstufen: Preisstufe A für Fahrten innerhalb einer Stadt, Preisstufe B für Fahrten bis zur Nachbarstadt und Preisstufe C für Fahrten im gesamten VRR-Gebiet. Auch das soll für mehr Übersicht sorgen.

Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR, bringt die Ziele der Tarifvereinfachung auf den Punkt: „Die Menschen wollen keinen Tarifdschungel, sondern flexibel und unabhängig mit Bus und Bahn unterwegs sein. Deshalb lichten wir unsere Tarif- und Ticketangebote. Wir müssen aus Fahrgastsicht denken und handeln – nur so gewinnen wir langfristig mehr Menschen für den umwelt- und klimafreundlichen ÖPNV.“

„Der VRR geht mit seiner Tarifreform einen konsequenten Schritt nach der Einführung des Deutschlandtickets, dem andere Verbünde rasch folgen sollten. Hier wird es darauf ankommen, einheitlich und abgestimmt unterwegs zu sein – damit die Kundinnen und Kunden die Einfachheit des Deutschlandtickets auch in den weiteren tariflichen Angeboten im gesamten nordrhein-westfälischen ÖPNV wiederfinden“, sagte Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zu sehen sind zwei Männer welche mit zwei Maskotchen für ein Foto posieren
Verkehrsminister Oliver Krischer (links) und VRR-​Vorstandssprecher Oliver Wittke stimmen sich mit den Maskottchen der Reform auf den anstehenden Tarif-​Frühling ein. © VRR

Rheinbahn: Papiertickets adé

Ein weiterer Schritt in Richtung Vereinfachung und Modernisierung des ÖPNV in Nordrhein-Westfalen ist die geplante Abschaffung der Papiertickets durch die Rheinbahn. Dafür wird ab 2026 das Pilotprojekt „Calo“ umgesetzt: Das neue bargeld- und papierlose Ticketsystem soll nicht nur mehr Komfort bieten, sondern sorgt durch den Verzicht auf Papier auch für eine deutliche Entlastung der Umwelt. Annette Grabbe, Sprecherin des Vorstands, Arbeitsdirektorin und Finanzvorständin der Rheinbahn, betont: „Mit ‚Calo‘ schaffen wir ein System, das den öffentlichen Nahverkehr in Düsseldorf moderner und zukunftsfähig macht und dabei niemanden ausschließt. Es geht uns darum, Mobilität für alle so einfach wie möglich zu gestalten und gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.“ 

Mit Blick auf ganz Nordrhein-Westfalen wird es besonders wichtig und interessant werden, die Erkenntnisse des Pilotprojekts auch für andere nutzbar zu machen und perspektivisch auch hier zu einheitlichen Kundenerlebnissen zu kommen. 

Mobilität für alle

Um auch denjenigen die Nutzung des Systems zu ermöglichen, die keine Bankkarte oder kein Smartphone haben, wird der Einsatz einer Guthabenkarte mit den Verkehrsunternehmen der Region und dem Verbund abgestimmt. Neben KundenCentern soll ein breites Netz von Vertriebspartnern sicherstellen, dass die Guthabenkarten für alle Fahrgäste ohne viel Aufwand erhältlich sind.

go.Rheinland: Ein weiterer Vorstoß in Richtung Zukunft

Auch das Reisen mit dem Nahverkehr zwischen Aachen und Gummersbach und von Monheim bis Bad Honnef wird künftig deutlich einfacher sein. Hierfür bereiten der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und der Aachener Verkehrsverbund (AVV) die Einführung des Rheinlandtarifs vor, der voraussichtlich zum 1. Januar 2026 starten soll. „Der Rheinlandtarif ist eine logische Konsequenz aus dem Deutschlandticket und aus dem Mobilitätsverhalten der Fahrgäste“, betont VRS-Geschäftsführer Michael Vogel. „Die bislang bestehenden Verbundgrenzen spüren die Menschen, die mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, seit dessen Einführung nicht mehr. Wer mit dem konventionellen Tarif reist, wird durch den Rheinlandtarif eine erhebliche Vereinfachung bei der Nutzung des ÖPNV erfahren.“ Wie bei der Reform des VRR sollen auch im Rheinland das Deutschlandticket für Viel- und der elektronische Tarif eezy.nrw für Gelegenheits-Fahrerinnen und -Fahrer vorangetrieben werden. 
 

Eine benutzerfreundliche Zukunft für den ÖPNV 

Die geplanten Reformen im VRR, bei der Rheinbahn und go.Rheinland sind ein großer Schritt in Richtung einer vereinfachten, modernen und digitalen Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in NRW. Die Einführung flexiblerer Ticketmodelle, die Digitalisierung der Fahrausweise und die Vereinfachung der Tarifstrukturen sollen dafür sorgen, dass der ÖPNV für die Fahrgäste deutlich übersichtlicher, flexibler und moderner wird. Bei diesen drei Reformen und Projekten darf es jedoch nicht bleiben – Ziel muss es sein, landesweit den ÖPNV durch gemeinsames Handeln der Branche im Sinne der Kundinnen und Kunden weiterzuentwickeln.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ist einer der größten Verkehrsverbünde Europas. Als modernes Dienstleistungsunternehmen erfüllt er vielfältige Aufgaben im Öffentlichen Personennahverkehr an Rhein, Ruhr und Wupper. Der VRR sichert die Mobilität für 7,8 Millionen Einwohnende und sorgt für bedarfsgerechte und wirtschaftliche ÖPNV-Leistungen. Im Rahmen seiner Verbundaufgaben gestaltet der Verbund den Nahverkehr in den 16 kreisfreien Städten und sieben Kreisen.

Im Dezember 2022 wurde die Nahverkehr Rheinland (NVR) GmbH umbenannt in go.Rheinland GmbH. Das Unternehmen ist für die Planung des SPNV-Angebots und die Durchführung von Wettbewerbsverfahren im SPNV des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) verantwortlich. Dabei will es ein leistungsfähiges und kundenorientiertes Angebot bereitstellen und die Infrastruktur des ÖPNV und des SPNV durch die Investitionsförderung bedarfsgerecht verbessern.

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